Auf der Suche nach der besten gesunden Ernährung stolpern wir immer wieder über diverse Erkenntnisse und neuzeitige Forschungsergebnisse. Aber welche Bedeutung hatten Kohlenhydrate, Fette und Proteine bei der Ernährungsweise unserer Vorfahren? Wann haben sie begonnen was zu essen und wie viel? Und eine noch interessantere Frage haben unsere Vorfahren ketogen gelebt? Wie sieht eine gesunde Ernährung aus? 

Die Evolution des Menschen ist faszinierend und natürlich nicht in ein paar Jahren abgeschlossen gewesen. Deshalb ist es auch wichtig zu wissen, ob unser Lebensstil immer noch mit einer ketogenen Ernährungsweise zusammenpasst.

All diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel auf die Spur. Bei der Suche nach Antworten begleitet uns Daniel Lieberman, der Harvard Professur für evolutionäre Biologie und Autor des Buches „The Story oft The Human Body“ (Pantheon, 2013).

Gesunde Ernährung – Eine kurze Reise durch unsere Ernährungsgeschichte

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt:

  1. Evolution vom Affen zum Menschen
  2. Landwirtschaft und die industrielle Revolution
  3. The Gegenwart, die Zukunft

Im ersten Part des Buches befasst sich Lieberman mit der Evolution des Homo Spaniens. Diese spaltet er in fünf einzelne Teilbereiche auf:

1.1 Vom Affen zum Zweibeiner

Der Wandel des Klimas und die Suche nach immer knapperen Nahrung machten die Entwicklung zum Zweibeiner erforderlich. Es war ein notwendiger Schritt, welcher die Homoninen von Schimpansen und Gorillas unterschied. Das Laufen auf zwei Beinen ermöglichte die Suche nach Früchten und neuen Nahrungsquellen. Zudem spart es im Gegensatz zu vier-beinigen Fortbewegungen Energie.

1.2 Der Australopithecus und Früchte

Dank des Australopithecus (u.a.) ernähren wir uns nicht mehr hauptsächlich von Früchten. Sie lebten und entwickelten sich vor 4 Millionen Jahren. Zwar konnten sie auch noch gut auf Bäume klettern, haben aber auch schon in der Erde nach Knollen, Wurzeln und Zwiebeln gesucht. Dazu zählten Kartoffeln und Ingwer, welche viel mehr Nährstoffe, Stärke und Wasser enthielten.

1.3 Die Zeit der Jäger und Sammler

Vor 2-3 Millionen Jahren begann die Eiszeit. Nahrung wurde immer knapper. Zu dieser Zeit treten die ersten Jäger und Sammler zu Tage. Deren neue, angepasste Lebens- und Verhaltensweise beeinflussten die weitere Entwicklung des menschlichen Körpers. Denn Sie arbeiteten zusammen, stellten Werkzeuge her, verarbeiteten vorhandene Nahrungsmittel und begannen Fleisch zu sich zu nehmen. Auf lange Sicht verbesserte sich dadurch nicht nur die Effizienz unserer Verdauung, sondern auch die Menge an aufnehmbaren Kalorien.

1.4 Während der Eiszeit

Die zu den Homininis gehörenden Jäger und Sammler verbreiteten sich mehr und mehr auf der Erde. Somit entstanden auch stetig mehr Unterarten. So entwickelten sich nicht nur deren Körper immer schneller und wurden fetter und größer. Auch die Gehirne unserer Vorfahren nahmen an Volumen zu.

1.5 Gegen Ende der Eiszeit

Fast alle Homo-Arten sind bis zum Ende der Eiszeit ausgestorben. Alle bis auf eine: Der Homo Sapiens. Dessen Vorteil war sein Kopf, genauer gesagt der präfrontale Kortex. Er gab ihnen neue Denkfähigkeiten und Wege sich zu organisieren. Des Weiteren halfen der Vokaltrakt und Zunge bei der Entwicklung der modernen menschlichen Sprache. All das führte vor zirka 50.000 Jahren zu einer kulturellen Wandlung. Zum Beispiel die Erfindung neuer Kunstformen, Waffen und Werkzeugen.

Diese ganzen verschiedenen Evolutionsstufen zu verstehen ist wichtig um unseren Entwicklungsprozess nachvollziehen zu können. Nur so begreifen wir, warum unser Gehirn 5mal größer als das anderer Säugetiere ist, unser Darm jedoch nur halb so groß. Weshalb wir langsamer sind, aber dann längere Distanzen rennen können und besser mit Werkzeugen umgehen können als alle anderen Säugetiere. Vor allem auch weshalb wir viel mehr Fett benötigen.
Wir Menschen sind vergleichsweise fett, da wir all die überschüssige Energie in Fett speichern. Und das nicht aus irgendeinem Grund, sondern um unser großes Gehirn mit Energie zu versorgen. Denn während es nur ungefähr 2% unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es 20-25% der Gesamtenergie.

Der zweite Part des Buches ist wiederum aufgeteilt in zwei Bereiche. Diese sind laut Lieberman Bestandteile der kulturellen Evolution. Daraus haben wir uns zwar nicht als Spezies weiterentwickelt, aber in anderer Hinsicht verändert. So beispielsweise wie und was wir essen, wie wir leben und unseren Körper einsetzen.

2.1 Die Agrarevolution

Obwohl die Landwirtschaft wie wir sie kennen sehr alt erscheinen mag, ist sie doch eine sehr neue Erscheinung. Dadurch haben wir eine konstante Nahrungsmittelversorgung. Was sehr gut klingt, hat aber nicht nur Vorteile. So brachte die Landwirtschaft nur eine begrenzte Variation an Nahrungsmitteln und Nährstoffen. Schlechtes Wetter oder sonstige Naturkatastrophen erhöhen das Risiko von Hungersnöten und Nahrungsmittelknappheit. Zudem steigern stärkehaltige Lebensmittel das Risiko von Infektionen. Erst nach der Agrarrevolution sind alle verharrenden Infektionskrankheiten aufgetreten, welche vielen Menschen das Leben gekostet haben.

2.2 Die industrielle Revolution

Durch den Einsatz fossiler Brennstoffe wie Kohle-Öl und Gas beschleunigte sich die kulturelle Evolution und Transformation nochmals. Doch nicht nur dadurch, auch die Neu- und Umorganisation sozialer und wirtschaftlicher Institutionen und Wissenschaften hat den Prozess angetrieben. Die Bevölkerungszahl stieg massiv an, da sich die medizinischen und sanitären Verhältnisse, sowie die Lebensmittelaufbewahrung deutlich verbesserte. Auch die Auswahl an Nahrungsmitteln steigerte sich, verglichen zum landwirtschaftlichen Anbau. Fast alles, was wir zu uns nehmen, wird von Maschinen angebaut, mit anorganischen Düngemittel und Antibiotika gedüngt, geerntet, verarbeitet und versandt. Das führt dazu, dass wir uns weniger bewegen müssen. Die immer besser werdende Technologie arbeitet für uns.

Weniger Aktivität führt jedoch auch zu weniger Müdigkeit. Wir schlafen nicht mehr so lange und nicht mehr so gut. Unsere Vorfahren waren es gewöhnt in einer Umgebung mit vielen sensorischen Reizen zu schlafen. Zu diesen gehörten u.a. Wind, Regen, ein knisterndes Feuer. Sie haben auch nicht wie wir 7-8 Stunden durchgeschlafen, sondern sind nachts oft aufgestanden und haben auch tagsüber mal geschlafen. Falls wir einem Schlafentzug ausgesetzt sind, verspüren wir vermehrt Stress (hoher Cortisolspiegel), was unser Immunsystem schwächen kann. Während des Schlafens produziert unser Körper zudem Wachstumshormone und Leptin. Ersteres regt die Zellreparatur an und Leptin unterdrückt unseren Appetit. Wird die Leptin-Produktion gestört, steigt unser Appetit auf kohlenhydratreiche Lebensmittel. Obendrein enthalten verarbeitete Lebensmittel wesentlich mehr Zucker und Stärke, benötigen aber weniger Energie um abgebaut zu werden. Dadurch haben wir einen Blutzuckerspiegel, an welchem unser Körper nicht gewöhnt ist.

Vielleicht kannst du es schon erahnen. Die enorme Geschwindigkeit der kulturellen Evolution hat schwerwiegende Auswirkungen. Während es mehrere Millionen Jahre gedauert hat bis wir uns von Affen zum Homo Sapiens entwickelt haben, hat es nur ein paar 100 Jahre gedauert einen neuen Lebensstil zu entwickeln. Einen Lebensstil an welchem unser Körper gar nicht gewöhnt ist, ja gar nicht dafür gebaut ist. Lieberman spricht von so genannten „mismatches“ (zu dt. Fehlanpassungen). Das heißt, dass das was wir unserer Umwelt entnehmen entweder zu viel, zu wenig oder zu neu ist für unseren Körper. Resultate sind diverse Krankheiten und Auswirkungen beispielsweise Bluthochdruck, Krebs und Karies.

Im dritten Part seines Buches befasst sich Lieberman mit den Auswirkungen der schnellen kulturellen Evolution auf unser Leben. Neben dem Ansprechen der Problemthemen gibt er konkrete Ratschläge, wie wir unseren Körper und unsere Gesundheit unterstützen können.

3.1 Mehr ist nicht immer besser

Wir haben schon kennengelernt, dass zu viel zu viel verarbeitete Lebensmittel übermäßig Zucker und Stärke, dafür aber zu wenig Ballaststoffe enthalten. Wir leben in einer Zeit, in der es so viel Nahrung wie nie gibt. Zu wenig Bewegung und zu viel Essen führt zu einer großen Menge an Energie. All die überschüssige Energie führt zu diversen Problemen wie Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Krebs und Herzerkrankungen.

3.2 Nutze es oder lass es ganz

Schon früh in unserer Entwicklung benötigt unser Körper eine gewisse Belastung. Nur dadurch kann er sich optimal ausbilden und funktionieren. Wenn wir eine Zeit lang inaktiv sind und nur rumsitzen verlieren unsere Muskeln Muskelfasern. Tragen Frauen ständig Stöckelschuhe, verkürzt sich beispielsweise deren Wadenmuskel. Auch übermäßig langes Sitzen ist sehr schlecht für uns. Wir sollten uns regelmäßig körperlich betätigen und unsere Muskeln belasten. So können wir negativen Auswirkungen am besten entgegenwirken und auch dem Knochenschwund im Alter dramatisch verlangsamen.

3.3 Erkrankungen durch Fehlanwendungen

Dieser Aspekt ist mit dem „Use it or loose it“- Konzept verbunden (3b). Unseren Körpern steht ein bestimmtes Energiebudget zur Verfügung. Dieses müssen sie mit Bedacht anwenden und durchaus auch Kompromisse eingehen. Ein gutes Beispiel hierfür: Wenn du dicke Beinknochen hast, brechen die nicht so schnell. Allerdings benötigen sie mehr Energie, um zu halten und um eine Bewegung zu ermöglichen. Aus diesem Grund müssen unsere Körper ständig Entscheidungen treffen, wo sie die verfügbare Energie einsetzten. In unserer heutigen Gesellschaft gibt es vermehrt Probleme wie Osteoporose, schmerzhafte Weisheitszähne und Allergien. All das hängt damit zusammen, wie wir Leben und uns und unsere Umwelt entwickelt haben.

3.4 Moderne Krankheiten

Die Umwelt formt den Menschen. Ein durchaus bekannter, wahrer Spruch. Unsere kulturelle Entwicklung ermöglicht es uns ein leichtes, körperlich unbeschwertes Leben zu führen. Dieser Komfort und die Bequemlichkeit sind biologisch betrachtet allerdings alles andere als gut für uns. Stühle, Brillen, Schuhe erleichtern uns das Leben enorm, sind bequem und nützlich. Benutzen wir sie doch im Übermaß sind sie auch eine Gefahr. Wir sollten die Belastung für unseren Körper nicht nur minimieren, sondern auch wieder mal anheben. So sind zum Beispiel ein gelegentlicher Spaziergang ohne Schuhe, regelmäßige Sportübungen drinnen und draußen willkommene Abwechslungen für deinen Körper.

Natürlich ist das nur ein sehr kurzer und knapper Überblick des Buches. Es finden sich noch so viele weitere interessante Informationen in den einzelnen Kapiteln. Allerdings würde das den Rahmen des Artikels sprengen.

Lieberman selbst geht schon explizit auf das Thema Ernährung und Ernährungsweise ein. Diese Aspekte beleuchte ich jetzt näher. Welche Nahrung ist gesund? Wie sieht eine gesunde Ernährung aus? Was empfiehlt Lieberman? Empfiehlt die heutige Wissenschaft im Hinblick unserer Evolution etwas anders? Welche Rolle spielt Keto?

Also weiter geht’s!

evolution1

Evolution und Keto – Ist es immer noch modern oder längst überholt?

Zu Beginn gehe ich noch einmal auf die wichtigsten Aspekte von Daniel Lieberman ein. Im ersten Part beschreibt er das die Homininis größtenteils reife Früchte als Hauptnahrungsquelle nutzten. Allerdings waren deren Backenzähne schon kräftiger und größer als der von Schimpansen und Gorillas. Das heißt, sie waren auch in der Lage härtere Nahrung wie Stiele und Blätter zu kauen.

Die Anpassung an andere Nahrung als Früchte waren der Mittelpunkt einer großen Transformation des menschlichen Körpers. Eine Weitere war das Hervortreten der Jäger und Sammler. Als diese begannen Fleisch als Energiequelle zu nutzen, benötigten sie allgemein weniger Nahrungsmengen. Da der Verdauungstrakt, vor allem der Darm weniger Nahrung verarbeiten musste, verkleinerte er sich immer mehr. Ein kleinerer Verdauungstrakt benötigte natürlich weniger Energie. Diese nicht mehr benötigte Energie verhalf unseren Vorfahren ein größeres Gehirn zu entwickeln.

So transformierte sich der menschliche Körper immer mehr über die Zeit. Wir haben schon den Begriff „Mismatches“ (Fehlanpassungen) kennengelernt. In unserer heutigen Gesellschaft ist das laut Lieberman ein sehr bedeutungsvolles Thema. All unsere Gene wurden über die letzten Millionen Jahre präzise ausgewählt uns selektiert um unsere Fähigkeit und Körper zu verbessern. Leben, fortpflanzen und überleben waren die Hauptziele unserer Vorfahren und sind auch noch unsere. Die unserer Spezies.  Aus diesem Grund sind wir auch sehr gut an diverse Aktivitäten, Essen, klimatischen Bedingungen und viel mehr unserer Umwelt angepasst.

Allerdings hat sich unsere Umwelt extrem verändert. Leider nicht langsam genug, um uns auch genetisch, biologisch und körperlich anzupassen. Wir verändern sie selbst zu stark. An viele neue Veränderungen sind wir nicht gut genug angepasst. Daraus entstehen Probleme: Sie können uns krank machen. Die natürliche Selektion hat unseren Körper an die Aufnahme von Früchten, Knollen, Wild, Samen, Nüsse und andere Lebensmittel gewöhnt, welche reich an Ballaststoffen sind. Im Gegensatz dazu enthalten sie jedoch kaum Zucker. Unsere heutige Diät kann aber wiederum keineswegs mehr als eine gesunde Ernährung bezeichnet werden. Unsere heutige Diät enthält viel Zucker. Das führt zu Erkrankungen wie Type-2 Diabetes und Herzerkrankungen. Nicht alles ist schlecht. Kaffee und Zähneputzen sind bewiesenermaßen nicht gefährlich für uns. Wir benötigen Salz, zu viel ist jedoch ungesund.Unsere allgemeine Ernährungsweise ist grundsätzlich viel zu Zucker- und Kalorienreich.

Aber an welchen Ernährungsplan sollten wir uns nun halten? Wie sieht eine gesunde Ernährung aus? Ist eine ketogene Diät für uns in evolutionärer Hinsicht gut für uns? Wissenschaftler haben zur Beantwortung dieser Fragen paläoanthropologische Daten ausgewertet. So können sie unter anderem durch Untersuchung der Knochen von Neandertalern und frühen Europäern, sowie deren benutzte Werkzeuge auf deren Nahrung schließen. Auch helfen Beobachtungen noch existierender Jäger und Sammler Gruppen und Untersuchung zurückgebliebener Fossilien (in welcher Region und Klima) den Paläoanthropologen dabei. Gerade die Daten noch so lebender Gruppen geben einen guten Einblick in die Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren. Wissenschaftler erfassen, welche Nahrung diese sammeln und können dann auf die wahrscheinliche Diät der damals lebenden Jäger und Sammler Rückschlüsse ziehen.

Bisherige Beobachtungen deuten darauf hin, dass eine kohlenhydratarme Diät sehr verbreitet war, eine Ketogene eher selten, aber nicht ungewöhnlich. Gibt es aber auch Gruppen, die über eine gesunde Ernährung verfügt haben, obwohl ihre Ernährung nicht kohlenhydratarm war? Die Jäger und Sammler der Insel Kitava in Papua-Neuguineas führen auch mit einer Aufnahme von 65-70% aller Kalorien durch stärkehaltige Früchte und Knollen ein gesundes Leben. Das zumindest fand der jetzt verstorbene Professur Staffan Lindeberg heraus. Das bedeutet, dass auch eine höhere, moderate Kohlenhydrataufnahme nicht gänzlich auszuschließen ist.

Die Offenbarung gesammelter Daten von über 200 Jägern und Sammlern

Alexander Ströhle und Andreas Jahn haben 2011 eine Studie mit 229 verschiedenen Jäger und Sammler durchgeführt. Ihre Hypothese war, dass die modernen Diäten und damit auch die Kohlenhydrat-Aufnahmen dieser stark von den jeweiligen Ökoumwelten abhängig sind. Die Wissenschaftler untersuchten das Pflanzen-Tier-Verhältnis in der Ernährung der Jäger und Sammler. Aus diesen Daten berechneten sie welchen Anteil die Kohlenhydrataufnahme an der Gesamtenergie in Prozent. Zusätzlich verbanden sie es mit Informationen über die Nahrungsmittelzusammensetzung der australischen Aborigines.

  • Eine Kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung ist am verbreitetsten. Am häufigsten ist ein Anteil von 16-22% Kohlenhydrate in der aufgenommenen Nahrung für 32,8% aller untersuchten Gruppen. Der nächsthöchste Anteil sind 29-34% für 27,9% der Gruppen
  • Der geografische Lebensraum korreliert sehr stark mit der Menge an aufgenommenen Kohlenhydraten. In den Gebieten der 11 bis 40 Breitengrade nördlich und südlich vom Äquator Machen Kohlenhydrate 30-35% der Kalorien in der Nahrung aus. Vom 41° bis 60° sind es laut Untersuchungen der Wissenschaftler nur noch knapp 20-9%. Es kommt also zu einem stetigen Sinken der Kohlenhydrataufnahme je weiter die Jäger und Sammler Gruppen vom Äquator entfernt wohnen.
  • Ein Großteil der Jäger und Sammler (9 von 10) nahmen weniger als ein Drittel aller Kalorien durch Kohlenhydrate zu sich. Ungefähr 85% der verschiedenen Ernährungsweisen zeichnen sich durch eine relativ geringe Aufnahme von Kohlenhydraten auf (ca. <35% der Gesamtenergie). Allein wegen dieser Information gegen die Wissenschaftler davon aus, dass das eine hohe Abhängigkeit von tierischem Nahrungsmitteln wiederspiegelt.
  • Vor rund 200.000 Jahren entwickelte sich der anatomisch gesehen modernste Mensch. Zudem begannen unsere Vorfahren im letzten Viertel der menschlichen Evolution in immer höhere Breitengrade der Welt zu leben. Dementsprechend fand auch der Umstieg zu einer noch kohlenhydratärmeren Diät etwa zu dieser Zeit statt. Kohlenhydratarm heißt in diesem Fall, dass es von der Gesamtenergie nur noch weniger als 25% ausmacht.

Die Resultate von Ströhle und Jahr sind sehr interessant und weisen deutlich in eine Richtung. Die Ernährung von Jäger- und Sammler- Gruppen in unterschiedlichen Regionen der Welt weisen erhebliche Unterschiede auf. Gruppen in Wüsten und tropischen Grasländern verbrauchten im Gegensatz zu denen in nördlichen Tundra- und Nadelwaldgebieten mehr Kohlenhydrate. Allerdings sind die beiden Wissenschaftler auch der Meinung, dass es unabhängig von der lokalen Umgebung auch einen Zeitfaktor gibt. So war die Ernährungsweise der Jäger- und Sammler-Gruppen deutlich kohlenhydratärmer als unsere heutzutage. Für einen gesunden Menschen in der jetzigen Zeit beträgt der empfohlene Anteil an Kohlenhydraten an der Gesamtenergie mehr.

Gesunde Ernährung – Was können Knochenuntersuchungen alles über unsere Ernährung sagen?

Zu dieser Fragestellung haben Trinkaus und Richards 2009 eine Studie realisiert. Sie führten eine Isotropen- Analyse der Knochen von Neandertalern und frühmodernen Menschen in Europa durch. Wissenschaftler sind mit Hilfe dieser Methode in der Lage herauszufinden, welche Nahrungsproteine über Jahre hinweg zu dem Ernährungsplan gehörten.Es gibt also Einblicke über unsere ernährungsbedingte Vergangenheit. Richards und Trinkhaus entschieden sich für diese Ahnen von uns, da sich deren Lebenszeit überschnitt. Die verwendeten Knochen der Neandertaler sollen laut Experten vor ungefähr 50.000 Jahren noch ihre Dienste geleistet haben. Die anderen untersuchten Knochen stammen von einem alten, modernen Mann mit dem Namen „Oase 1“. Seine Überreste haben Wissenschaftler 2002 in Rumänien entdeckt und auf eine Zeit von vor 37.000 bis 42.000 Jahren datiert.  Ergebnisse, welche Trinkaus und Richards gefunden haben:

  • Neandertaler haben überwiegend Proteine (Fleisch) von pflanzenfressenden Landtieren und sehr viel weniger bis gar nichts von Tieren aus dem Meer zu sich genommen.
  • Neandertaler haben unabhängig von der Region in der sie lebten ungefähr den gleichen Ernährungsplan gehabt.
  • Oase 1 aß allerdings sehr viel Proteine aus anderen Quellen. Diese waren größtenteils von Süßwasserfischen.
  • Andere frühmoderne Menschen nutzen auch Proteine aus dem Meer als Nahrungsquelle. 20-30% der Nahrungsproteine stammten von fleischfressenden Fischen und Meeressäugetieren.
  • Viele frühmoderne Menschen aßen wahrscheinlich höhere Mengen an Fleisch als Neandertaler.
  • Da beide Gruppen (Neandertaler und frühmoderne Menschen) zur zirka gleichen zeit lebten deuten die Informationen auf eine Ernährungsumstellung hin. Das kann ein Hinweis auf eine Veränderung der Bevölkerungsdynamik moderner Menschen in Europas gewesen sein.

Die von dem beiden Wissenschaftler verwendete Methode der Isotropen- Analyse erfasst allerdings
nicht proteinarme Lebensmittel. Dazu zählen kalorienreiche Nahrungsmittel wie Hönig, essentielle
Mineralien und vitaminreiche pflanzliche Lebensmittel.

Gesunde Ernährung – Welche Schlussfolgerungen gibt uns das nun für unsere Ernährungsweise?

Schon immer haben alle Menschen die auf der Erde lebten und leben die verschiedensten Ernährungsweisen ausgelebt. Größtenteils bezieht sich das allerdings hier auf Nahrungsmittel tierischer Herkunft. In den Studien analysierten Wissenschaftler meist „Top-Level“ Fleischfresser. Wir Menschen zählen zwar zu den Fleischfressern, aber das bezieht sich im Allgemeinen welchen Platz wir in der hierarchischen Nahrungskette haben. Dennoch sind wir in der Lage pflanzliche Nahrungsmittel zu uns zu nehmen und daraus Energie zu gewinnen. Allerdings dürfen wir nicht vernachlässigen das wir ganz ohne Fleisch nicht fähig sind zu überleben. Wir haben uns evolutionär dahin entwickelt. Wissenschaftliche, paläoanthropologische Beweise deuten darauf hin, dass wir Allesfresser sind. Es scheint darauf anzukommen in welcher Region Menschen leben und was die Umwelt an Nahrungsquellen zur Verfügung stellt.

Jäger- und Sammler und andere frühmoderne Menschen entwickelten kohlenhydratarme und ketogene Ernährungsweisen. Dabei waren regionale und jahreszeitliche Bedingungen ausschlaggebend für Schwankungen zwischen kalorienreichen und ketogenen Diäten. Es scheint laut Experten keine in dem Sinne „extremen“ Ernährungsformen zu geben.

Für besonders Interessierte haben wir hier noch ein paar interessante Links:

Susan Lerche