Low Carb, LCHF und ketogen Essen in Indien

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Low Carb, LCHF und ketogen Essen in Indien

Ketogen essen in Indien ist eine der größten Herausforderungen seit ich mit Ketose begonnen habe. Diesmal sind es nicht nur der Jet Lag, die Veränderung des Klimas und eine andere Art zu essen. Ich habe ein paar größere Felsen, die in meinem Weg liegen.

 

Herausforderungen in Indien ketogen zu essen

 

  • Durchfall. Wer schon mal in Indien war, kennt das Problem. (Sri Lanka und Ägypten sind übrigens ähnlich was das anbelangt.) Leitungswasser sollte man absolut vermeiden. Das heißt auch Eiswürfel und gewaschenes Obst und Gemüse. Alles, was du isst, sollte (ab)gekocht sein.
    Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hat es mich in weniger als 48 Stunden erwischt. Der Verlust meines Essens selbst macht mir nicht so viel Sorgen. Da ich sowieso im Fettstoffwechsel bin, kann mein Körper ja auf Fettreserven zurückgreifen, wenn er nichts im Magen hat. (Selbst wenn ich gerade im Glukosestoffwechsel bin, wäre das nicht so schlimm. Da ich fettadaptiert bin, kann mein Körper schneller umschalten auf Fettstoffwechsel als der Körper eines Menschen, der die letzten Jahre nur von Kohlenhydraten gelebt hat.) Ich habe also nichts gegen Fasten, selbst wenn es unfreiwillig ist.
    Gegen was ich etwas habe, sind die Schmerzen und die Kraftlosigkeit. Nach ein paar Stunden Durchfall in Indien habe ich Schmerzen in der Magen-Darm Gegend. Wahrscheinlich Krämpfe. Die Kraftlosigkeit kommt gewöhnlich nach mehr als 24 Stunden Durchfall. Wann genau hängt wohl von der Stärke ab und ob du noch etwas von dem was du trinkst in dir behalten kannst. (In Chennai haben sie mich einmal im Golfkart zum Frühstück gefahren, weil ich zu schwach war zu Laufen nachdem ich nicht mal mehr Limonade oder Wasser behalten habe.) Die Kraftlosigkeit kommt übrigens nicht vom Mangel an Essen allgemein. Es ist kein Zeichen, dass du verhungerst oder Unterzuckerung. Es ist Elektrolytmangel. Ähnlich wie beim Keto Schnupfen, nur stärker.
    Indisches Essen ist übrigens insgesamt etwas schmerzhaft. Genau dreimal. Beim Essen, beim Verdauen und dann …  Ihr könnt es euch vorstellen. Diese Schmerzen sind aber nicht so schlimm für mich. Ich mag scharfes Essen. Die Schmerzen nach Durchfall sind aber eine andere Sache.
    Da ich schon öfter in Indien war, bin ich gewappnet. Ich habe für über 100 Euro Durchfallmittel gekauft. Nicht irgendwelches. Sondern Medikamente speziell für Reisedurchfall. Diese nehme ich (und sie helfen nach ein paar Stunden). Aber bis sie anschlagen, will ich irgendwas gegen die Magenschmerzen. Iberogast hilft leider gerade nicht. Leere Kohlenhydrate wie Kuchen, Brötchen und Kekse helfen dagegen hervorragend. Ich habe auch das Gefühl, dass sie zusätzlich gegen den Durchfall helfen. An dem Spruch „Kohlenhydrate stopfen“ scheint etwas dran zu sein.
  • Inder wissen, wie man überflüssige Kohlenhydrate verdammt lecker macht. Meine liebsten Verführungen sind Naan Brot und Paratha Brot. Auch Nachspeisen sind super hier. Die westlichen Nachspeisen wie Brownies und Schokosouffle sind mir in Indien zwar zu süß. (Auch Croissants und anderes „westliches“ Gebäck ist hier nicht so gut.) Aber die Inder haben ihre eigenen spannenden Kreationen. Ich werde nicht mal versuchen die Namen aufzuschreiben. Ich habe auch nie eine Ahnung, was es jeweils ist. Aber die meisten indischen Süßspeisen sind überaus lecker.
    Wenn ich sowieso schon im Glukosestoffwechsel bin wegen der Magen-Darmprobleme, ist es schwer, dem süßen leckeren exotischen Geschmack zu widerstehen. (Wenn ich probiere, dann übrigens meist nur ein kleines Stück für den Geschmack.)
  • Die Auswahl am Buffet ist kohlenhydratlastig. Inder lieben Kohlenhydrate. Vielleicht noch mehr als wir Deutsche. (Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor, weil ich die ganzen frischen Sachen nicht essen kann. Mit Leitungswasser gewaschen.) Es gibt jede Menge Brote und warme Gerichte mit Kartoffeln und Linsen. Und Reis natürlich. In manchen Hotels gibt es ansonsten nur noch Eier und Hühnchenwurst. Letztere sieht so furchtbar aus, dass ich sie noch nicht mal probiert habe.
    Ich bin jetzt etwa 6 Wochen in Indien und werde im kommenden Jahr noch öfter hier sein. Ähnlich lange. 6 Wochen lang fast ausschließlich Eier zum Frühstück? Das halte ich nicht durch.
  • Selbst wenn ich versuche ketogen zu essen, weiß ich nie, wieviel Kohlenhydrate ich gerade esse. Sie haben hervorragenden selbstgemachten Joghurt in einem der Hotels. Kommt in einem hübschen Keramikbecher.
    Natürlich steht da nicht drauf, wieviel Kohlenhydrate der hat.
    Wobei ich zumindest schmecken kann, dass kein Zucker drin ist. (Ich mag ja normalerweise keinen Joghurt, aber der ist so toll… Er schmeckt so roh, so natürlich. Ich weiß gar nicht, wie die es schaffen, den so hinzubekommen. Wenn ich Joghurt so hinbekommen würde, würde ich öfter welchen essen.)
    Bei den Saucen ist es ähnlich. Wenn ich schon nur ein Omelette esse, dann wenigstens mit indischen Saucen. Es gibt eine rote, eine grüne und eine weiße. Die sehen aus, als ob da nur Gemüse drin wäre, Kokos und vielleicht irgendein Milchprodukt. Aber ich habe keine Ahnung wieviel Kohlehydrate die habe. Ich weiß nicht mal wie die Saucen heißen, kann sie also nicht googlen.
    Da ich mit den bisherigen Fragen nach Essen nicht so viel Erfolg hatte, den indischen Akzent nicht so gut verstehe und die indischen Kellner schnell besorgt waren, dass irgendwas falsch ist, habe ich mich noch nicht getraut zu fragen. Das hole ich nach.

 

Tips damit du dein Low Carb Essen behältst

  • Bevor du nach Indien gehst, beginne zwei Wochen vorher ein spezielles Probiotikum einzunehmen. Das soll helfen gegen Durchfall (ich habe zu spät angefangen, vielleicht wirkt es deswegen nicht genug).
  • Nimm dir Mittel gegen Reisedurchfall mit und gegen Krämpfe vom Durchfall. Normale Durchfallmittel sind nicht gut an der Stelle, da sie eher zu Verstopfung führen; dass die Bakterien in deinem Körper bleiben ist aber an der Stelle nicht der gewünschte Effekt. Elektrolyte sind ebenfalls gut für die Reiseapotheke. Da ich mich übergeben muss von den Elektrolyten die man zu sich nimmt bei Durchfall, würde ich persönlich eher Tabletten nehmen.
    Kohletabletten, Flohsamenschalen und Heilerde sind gut für Prävention und leichte Magen-Darm Probleme.
    Ich würde trotzdem immer zusätzlich ein Mittel gegen Reisedurchfall dabeihaben. Indische Ärzte und Apotheken geben einem direkt Antibiotika. Antibiotika werden hier schnell verschrieben, selbst gegen Krankheitsauslöser, gegen die sie wenig ausrichten können. Zugegebenermaßen helfen Antibiotika bei Durchfall tatsächlich meistens. Aber es gibt viele Medikamente, die deinem Körper weniger schaden und ebenfalls helfen.
    Dabei zerstören deine Darmflora / dein Mikrobiom und wer weiß was noch alles in deinem Körper. Außerdem sind in Indien Antibiotika und Medikamente zugelassen, die bei uns schon lange verboten sind.
    Gestern abend hat mir ein Kollege von Martin berichtet, dass sie ihm in Indien Sachen verschrieben haben, die seit 10 Jahren in Deutschland verboten sind, weil man davon blind werden kann.
    Fazit: Bring deine eigene Reiseapotheke. (Hat zwar nichts mit Ernährung zu tun, aber ich muss das trotzdem loswerden: ich bekomme oft auch Halsweh oder Erkältungen von den Klimaanlagen in den Hotels. Was auch immer deine Schwachstelle ist – Erkältung oder Halsweh oder… – bring dir etwas mit von zu Hause, dass dir normalerweise hilft. Es ist zwar schade, wenn du es nach ein paar Monaten wegwerfen musst, wenn du es nie brauchst. Und der zusätzliche Stress fürs Medikamente Einkaufen vor dem Reisen ist auch kein Traum. Aber all das lohnt sich verglichen mit der Option, die heftigen Medikamente vor Ort nehmen zu müssen.)
  • Finger weg von Salat, Sprossen, frischem Gemüse, Eiswürfel aus Leitungswasser und Obst, dass mit Leitungswasser gewaschen wurde (wenn es geschält wird nach dem Waschen hast du eine Chance, sonst Finger weg) – sowie allen Dingen, die etwas davon enthalten können.
  • Geh in gute Restaurants oder welche, die Ausländer gewohnt sind. Sie sind mit dem Problem der empfindlicheren Ausländermägen eher vertraut.
  • Vorsicht wenn du eingeladen bist. Ich war bei einem indischen Mitarbeiter meines Mannes zu Hause zu Besuch. Ich fand die Geste überaus nett und war sehr dankbar, mal ein indisches Haus von innen sehen zu dürfen. Als mir die Gastgeber Wasser aus einer Karaffe angeboten haben, habe ich natürlich nachgefragt. Sie meinten, es wäre gereinigtes Leitungswasser und sicher. Ich war skeptisch aber zu höflich, um das Wasser abzulehnen.
    Wegen meiner Höflichkeit habe ich die nächsten Tage auf der Toilette verbracht und Antibiotika genommen. Was sicher für einen Inder ist, ist nicht unbedingt sicher für einen Ausländer.
  • Versuche durchgekochtes Essen zu dir zu nehmen.
  • Achte darauf, dass das Wasser, dass dir eingeschenkt wird, aus Plastikflaschen mit versiegeltem Verschluss kommt. Wasser aus Karaffen ist fast immer Leitungswasser. Selbst Wasser in Plastikflaschen wird manchmal aus dem Hahn nachgefüllt.
  • Beginne nicht gleich mit den schärfsten Gerichten und lass den Koch nicht zu viel Chilli in dein Omelette tun – außer du bist es gewohnt, sehr scharf zu essen. Gib deinem Magen ein paar Tage um sich an die Schärfe zu gewöhnen.
  • Hab immer ein Händedesinfektionsmittel dabei. (Achja, benutzen sollst du es natürlich auch.)

 

Ich will damit keinen abschrecken. Inder haben super leckeres Essen. Ich liebe indisches Essen und könnte baden in indischem Curry und Tandoori. Aber Montezuma ist leider ein häufiger Reise-Begleiter hier und liebt Ausländer. Wir sind die Bakterien einfach nicht gewohnt.

Für Ketarier ist es besonders schlimm, weil Weißmehl und Co. die sicherere Alternative sind bei Durchfall. (Ich habe das schon von mehreren Ketariern gehört, dass sie auf Kohlenhydrate zurückgreifen bei Durchfall. Es wäre spannend, das einmal wissenschaftlich genauer zu untersuchen. Was macht es, dass Kohlenhydrate stopfen? Warum scheinen die den Magen zu beruhigen? Warum hat man eher Hunger auf Brot als auf etwas Fettiges wenn man eine Magen-Darm Verstimmung hat?)

 

 

Low Carb, LCHF und Keto – was du essen kannst in Indien

  • Tandoori-Gerichte sind normalerweise ketogen. Tandoori ist Fleisch, das mit Mischungen von Kräutern und Gewürzen in einem Lehmofen gekocht wird. Gemüse-Curries oder Gerichte mit Paneer – eine Art von indischem Käse – haben weniger Kohlenhydrate als Reis oder Brot. Fleisch- und Fischcurries enthalten in der Regel auch weniger Kohlenhydrate als Gemüse- oder Linsenbasierte Curries. Sind aber nicht unbedingt ketogen.
  • Kebab ist ebenfalls sicher. Es ist Hackfleisch mit Gewürzen und damit ketogen.
  • Einige Gerichte, die klingen, also ob sie wenig Kohlenhydrate haben können, können Kartoffeln enthalten. Also ist es am besten nachzufragen.
  • Vorspeisen und Beilagen wie Samosas und Pakoras haben immer viele Kohlenhydrate. Wenn du in Nordamerika oder Europa indisch essen gehst, kannst du alternativ einen Salat essen. Denk daran, dass du das in Indien nicht tun solltest (außer dein Magen hat ein Superman Cape).
  • Wenn du dir nicht sicher bist, was in einem Gericht ist, hab keine Angst, den Kellner zu fragen. Allerdings ist das nicht immer hilfreich. Ich habe die Köche, die gerade hinter den Buffettöpfen standen, gefragt. Ich wollte wissen, ob in dem Spinatgericht Nudeln sind. Für mich sah es aus wie Lasagne. Dreimal habe ich gefragt und jedes Mal verneinte der Koch mit einem indischen Kopfschütten und meinte, da wäre nur Spinat und Käse drin. Der nächste Koch meinte dann ebenfalls, darin wären keine Nudeln. Ich deutete auf das gelbe und fragte auf Englisch: „Aber das sind doch Nudeln, oder?“ Der Koch verneinte. „Nein, das sind keine Nudeln. Das ist Pasta.“

 

Indisch selbst kochen

Wer gerne indisch isst, findet hier ein paar tolle (englische) Rezepte für ketogenes und Low Carb indisches Essen.

 

 

Verena Valeria

 

 

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2018-03-15T17:56:27+00:00

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