Keto in der Schwangerschaft – meine ganz persönliche Erfahrung.

Dienstagmorgen – der Test ist positiv. 7 Jahre nach der letzten Schwangerschaft erwarten wir also unser zweites Wunder. Die Freude ist riesig und dennoch kommt direkt die Angst. Die Angst vor der Geburt. Nachdem die erste Geburt irrsinnige 38 Stunden gedauert hat, fürchte ich mich davor. Fürchte mich vor der wahnsinnigen Erschöpfung, den Schmerzen und der Zeit, die nicht vorbeizugehen scheint.

Die Rettung

Ein paar Wochen später nehme ich Kontakt mit einer tollen Hebamme auf und schildere ihr meine Ängste. Beruhigend erklärt sie mir, dass eine Geburt nicht so Ablaufen muss und es zahlreiche Möglichkeiten gibt sich die Geburt etwas leichter zu machen.

Das ist der Moment in dem ich zum ersten Mal von der Louwen-Ernährung höre.

Was ist die Louwen-Ernährung?

Die Regeln der Louwen-Ernährung, benannt nach dem Erfinder Prof.Dr. Frank Louwen, sind ganz einfach und lassen sich in einem Satz zusammenfassen: VERMEIDE KOHLENHYDRATREICHE LEBENSMITTEL!

Warum? Kohlenhydratreiche Lebensmittel verursachen einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels, haben also einen hohen glykämischen Index und sorgen für eine Vermehrte Ausschüttung der Hormone Inulin und Insulin. Nicht weiter tragisch, denke ich mir. Schließlich gibt es in meiner Familie keine Probleme mit Diabetes. Dann erklärt meine Hebamme weiter. Das Insulin besetzt die Rezeptoren, an die die vom Kind gebildeten Prostaglandine andocken sollen. Diese Prostaglandine sind aber dafür zuständig die Geburt optimal vorzubereiten, Geburtswehen auszulösen. Fließen die Prostaglandine ungebunden im Blut herum, so steigert das noch dazu die Schmerzwahrnehmung. Schnell wird mir klar, dass das genau die Punkte sind, die mich bei meiner letzten Geburt so verängstigt haben, starke Schmerzen und der Zeitfaktor. Mein Entschluss steht also fest: ich werde weitestgehend auf Kohlenhydrate verzichten.

Das Konzept der Louwen-Ernährung sieht vor, ab der 36. Schwangerschaftswoche auf Kohlenhydrate zu verzichten. Ich persönlich habe allerdings bereits ab der 30. Schwangerschaftswoche damit begonnen, da ich auf keinen Fall zu „spät“ damit anfangen wollte.

Louwen-Ernährung = ketogene Ernährung?

Auf der Suche nach kohlenhydratarmen Gerichten, bin ich schnell auf den Begriff  „ketogene Ernährung“ gestoßen. Da waren sie also, die ganzen leckeren Rezepte die mich die nächsten Wochen begleiten würden. Zwar ist die Louwen-Ernährung nicht ganz so strikt wie die ketogene Ernährung, das Prinzip ist jedoch dasselbe: VERMEIDE KOHLENHYDRATE! Was das Besondere an kegtogener Ernährung ist, erfährst du hier.

Am Anfang war es für mich als Nudel-Liebhaberin noch sehr ungewohnt auf meine Lieblingsbeilage zu verzichten, aber mit jeder Woche fiel es mir einfacher. Es gibt wahnsinnig viele leckere, ketogene Rezepte. Eine kleine Sammlung an Rezepten findest du auf unserer Rezeptseite.

Keto in der Schwangerschaft, war also gar nicht so schwer wie gedacht und vor Allem besonders lecker.

Körperliche Veränderungen bei Keto in der Schwangerschaft

Nach einer Woche wurde mir bewusst, dass die Umstellung von kohlenhydratreicher Ernährung auf kohlenhydratarme Ernährung kein Spaß ist. Schnell machte sich vor Allem der Zuckererntzug bei mir bemerkbar. Ich war gereizt, ich war müde und hatte gefühlt rund um die Uhr Kopfschmerzen. Da war sie also, die Keto-Grippe.

Welcher Verrückte kam noch mal auf die Idee Keto in der Schwangerschaft zu leben? Für ein paar Tage dachte ich, dass ich das niemals durchhalten werde, doch dann kam es zu einer plötzlichen Verbesserung. Ich fühlte mich wie neugeboren, war energiegeladen und top fit. Ein weiterer Vorteil war, dass ich kaum noch zugenommen habe. Während der ganzen Schwangerschaft habe ich durch die Louwen-Ernährung gerade einmal 8 kg zugenommen. Bei der letzten Schwangerschaft waren es ganze 18kg.

Die Geburt beginnt

Es ist Freitag, der 23. August. Ein schöner, sonniger Tag. Seit 17:00 Uhr merke ich wie mein Bauch in regelmäßigen Abständen hart wird. Das passiert aber vollkommen schmerzfrei, weshalb ich mir um eine anstehende Geburt keinerlei Gedanken mache. Gegen 22:00 Uhr sage ich zu meinem Mann, dass mir das komisch vorkommt, das mein Bauch so regelmäßig hart wird und wir zur Sicherheit doch mal in die Klinik fahren sollten. Nach Geburt fühlt sich das alles dennoch nicht an.

In der Klinik angekommen sind wir um ca. 23:00 Uhr. Es wird erst mal Untersucht und wir sollen noch ein paar Stunden spazieren gehen und uns in 2 Stunden wieder zur Untersuchung im Kreißsaal einfinden da die Geburt wohl noch ein Weilchen dauern wird.

Keto in der Schwangerschaft – auf einmal geht alles ganz schnell

Um 23:40 sind wir ganz entspannt aus dem Kreißsaal gelaufen. Immer noch waren die Wehen nicht wirklich spürbar. Zehn Minuten später sind wir gerade auf Höhe der Notaufnahme, das ist nachts der einzige Ausgang. Ich merke wie die Wehen schlagartig sehr intensiv werden und sage zu meinem Mann, dass wir schnellstmöglich wieder zurück in den Kreißsaal müssen. „Nichts da, von wegen noch ein paar Stunden spazieren gehen“ denke ich mir in dem Moment. Also ab, zurück in den Kreißsaal.

Dort schaut man uns verdutzt an und glaubt nicht, dass sich in so kurzer Zeit so viel getan haben soll. Noch ist die zuständige Hebamme sehr entspannt, schließlich rechnet sie nicht damit, dass es unsere Tochter plötzlich so eilig hat. Ich liege auf dem Bett, mein Mann soll doch noch die Tasche aus dem Auto holen, meint die Hebamme. Er ist gerade auf Höhe der Tür, da ruft die Hebamme nur noch: „Halt, Stopp! Ich brauche Ihre Hilfe!“ Es ist 00:46 Uhr, der 24.August. Plötzlich wird mein Mann unfreiwillig zum Geburtshelfer und unsere Tochter ward geboren.

Die Unterschiede

Da war sie also. Innerhalb kürzester Zeit und nur mit schmerzhaften Wehen innerhalb der letzten Stunde, wurde unsere Tochter geboren. Ein meilenweiter Unterschied zur Geburt unseres Sohnes vor 7 Jahren. Schneller, schmerzärmer, bei weitem nicht so anstrengend. Ich war fit! Auch in den folgenden Tagen merkte ich nicht diese schreckliche Erschöpfung, die mir noch von der ersten Geburt in Erinnerung blieb.

Keto in der Schwangerschaft – mein Fazit

Natürlich lässt sich weder eine Schwangerschaft, noch eine Geburt so wirklich miteinander vergleichen. Jede Geburt läuft anders. Aber für mich war es ein so drastischer Unterschied zum ersten Mal. Ich bin davon überzeugt, dass die ketogene Ernährung definitiv dazu beigetragen hat, dass ich eine angenehmere Geburt erleben durfte.

Dieselbe Erfahrung, habe ich im Übrigen nochmals zwei Jahre später gemacht. Unser Sohn wurde innerhalb von gerade einmal einer Stunde und fünfzig Minuten geboren. Auch hier natürlich der Hinweis, dass ich das sicherlich nicht ausschließlich Keto in der Schwangerschaft zu verdanken habe.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass eine solch strikte Ernährungsform unbedingt vorher mit dem Frauenarzt abgesprochen werden sollte, speziell wenn man es länger machen möchte, als von Prof. Dr. Louwen empfohlen.

Zum Schluss gilt aber vor Allem: Esst was euch gut tut 🙂